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Kommentar zu PR & Presse Bonn-Berlin
... kann sein, muß aber nicht sein
Nun, nach einundzwanzig Tagen ziemlicher Einsamkeit und Naturverbundenheit ereilte mich bei meiner Ankunft
am Brandenburger Tor doch tatsächlich
ein Blitzlichtgewitter mit TV-Übertragung, durcheinanderfragenden Reportern und über zehn Presseberichten
in den folgenden Tagen. Vor der Tour
hatte ich ein spärliches Presseinfo (siehe Pressespiegel Bonn-Berlin) verteilt, doch dann gings erst
mal los, alleine auf mich gestellt und alle "Füße" voll zu
tun. Ein Handy war damals noch nicht Standard und ich hatte fortan tagein tagaus mit meinem Wander-
und Rast-Alltag zu tun.
Plötzlich dann sowas, da hatte ich ja im Leben nicht mit gerechnet.
Nun, es gab zwei Menschen in Berlin, die ziemlich viel Mundpropaganda verbreitet haben und so kam es
zum "Show-Down" am legendären Brandenburger
Tor.
Für mich war das natürlich ein krasser Wechsel und plötzlicher Kulturschock. Ich fand es auch irgendwie
ganz witzig aber vom Erlebniswert oberflächlich,
schnelllebig und vergänglich, kein Vergleich zu der Intensität der Momente, die ich mit mir und um mich
herum während der Tour erfahren hatte. Am
darauffolgenden Tag las ich dann die Artikel und amüsierte mich über die Wortverdrehungen und Phantasieergänzungen.
Es war tatsächlich eine
wichtige Erfahrung für mich, zu erleben, wie relativ die Wahrheit ist, frei nach dem Motto, Hauptsache`ne
coole Schlagzeile und ein plakativer Text.
Im Laufe der Zeit danach stellte ich fest, daß das Pressegewitter nur ein amüsanter Nebeneffekt der
Tour war und keinen bleibenden Eindruck
hinterlassen hat. Zu Tourbeginn hatte ich mir überlegt, über einen Bericht / Tagebuch / Diashow einen
Teil der Vorbereitungskosten (Beschaffung
Ausstattung) zurückzuverdienen und war mit der WELT und einigen Outdoor- Firmen im Gespräch.
So machte ich mich sofort nach der Rückkehr nach Bonn daran, meine besprochenen Tapes abzuhören und
das Tagebuch aufzuschreiben, die
Veröffentlichung drängte. Endlich fertig, gebe ich das Manuskript ab und erhalte schon bald sehr positives
Feedback. Aber dann....Sie baten mich, das
Manuskripts zu kürzen, worauf ich mich zunächst widerspruchslos einließ, ein Fehler, wie ich bald lernen
würde. Mit sehr gemischten Gefühlen strich ich
den Text zusammen, viele Gedanken- und Erlebnisketten wurden (in meinen Augen) durchbrochen aber - ich
hab`s gemacht und wieder abgegeben.
Und so gings ein Paar mal hin und her, nochmal Kürzungen, nochmal Wünsche zur Änderung der Formulierung,
auch mal ein bißchen die Story
aufpeppen. Schließlich haben wir uns auf einen Vergleich geeinigt und es kam (glücklicherweise) nicht
zur Veröffentlichung.
Was würde ein Filmregisseur sagen, wenn man ihn bäte, seinen Film einfach um 40% zu kürzen? Wenn jemand
anders ihn kürzt - bitte sehr! Aber der
Autor selbst kann das oftmals nicht, weil er mit seinem Werk stark assoziiert ist. Wenn nun ein Teil
des Gerüstes entfernt wird und das Gesamtwerk an
Bedeutung verliert, kann der Autor sich nicht mehr damit identifizieren. Genau an diesem Punkt war ich
und hatte schließlich auch keine Lust mehr.
Gerade die Textstellen, die mir gefielen, hatten Sie gestrichen zugunsten der "actionreicheren"
(in meinen Augen aber trivialeren) Erlebnisse.
Aber immerhin war ich um eine wichtige Lehre reicher. Es gibt beim künstlerischen Werk manchmal ein
ganz oder garnicht. Und der Künstler muss
genau wissen, was er will, was (für ihn) möglich ist und was nicht. Wirklich enttäuscht war ich garnicht
mal. Mein "Schatzkästchen", die Tour-Erlebnisse,
welche wertvolle ganz persönliche, introvertierte Erkenntnisse und Lebenserfahrungen waren, kann mir
ohnehin niemand jemals nehmen. Das ist es
eben, die allein gemachte, nicht geteilte Erfahrung bleibt letztendlich unteilbar. Je mehr ich meine
Erfahrungen verarbeitete, desto mehr erkannte ich,
dass ich eine Ressource gewonnen hatte, von der ich zehren kann - nicht materiell, Viel mehr! Unbezahlbar.
Während der Tour und vor allen Dingen danach entfremdete sich der Gedanke an eine kommerzielle Nutzung
der Tour mehr und mehr. Zu wichtig war
mir die Verarbeitung der überaus positiven mentalen Prozesse und Erlebnisse. Die Erfahrung ansich war
stark und lebendig, aber auch introvertiert, so
dass mir der ganze Hokus-Pokus drumherum immer lächerlicher vorkam. Dann kam eine Zeit, in der es mir
befremdlich vorkam, wenn mich Menschen,
die von Verwandten oder Freunden von meiner Tour erfahren haben, mich daraufhin ansprachen. Konkret
fällt mir dazu ein: Das Sensationelle ist nicht
spektakulär und das Spektakuläre nicht sensationell. Ich hatte schon bald kein Interesse mehr, mit oberflächlichen
Menschen auf unterster Tratschebene
die Abenteuer-Highlights zusammenzufassen. Es ging sogar so weit, dass ich überhaupt nicht mehr darüber
reden wollte, mir Nachfragen lästig waren
und ich am liebsten mit einem Standardstatement (naja, verlängerter Wochenendspaziergang mit Zeitungsdokumentation)
antwortete.
Umso erstaunlicher (sogar für mich) nun diese Wendung.
Wie kommt es, dass ich nach 12 Jahren Versenkung in einer Plastik-Klarsichthülle sämtliche Bonn-"Zu
Fuß von Bonn nach Berlin" -Zeitungsartikel
gescannt und auf dieser Website verfügbar gemacht habe?
Es gibt
5
besondere und gute Gründe
Erstens:
Der Kontext stimmt und die Zeit ist reif. "Geocoaching" ist nach meinem Verständnis
ein interessantes und komplexes Outdoor-Thema, in
dem es nicht nur um Technik geht und wenn ich etwas zu vermitteln habe und damit an die Öffentlichkeit
trete, habe ich den Anspruch, dem Besucher
einen umfangreichen Überblick über meine Person und Persönlichkeit zu geben und da nutzen die Pressereferenzen
- wie allgemein üblich - als
Kompetenz-, Erfahrungs- und Befähigungsnachweis.
Tourbezug Bonn-Berlin: Information, Referenz
Zweitens
geht es um die "Kraft" der "Metapher". Es ist realistisch zu sagen, dass ich hier
mit einer navigations- und zielorientierten Aktion eine
erfolgreich PR- und Marketing -Aktion in eigener Sache gelandet habe und das, obwohl ich mich vorher
nicht groß darum kümmern konnte.
Tourbezug Bonn-Berlin: Metapher, Positive Selbstkonditionierung
Drittens,
um zu verdeutlichen, dass es bei Einzelgänger-Outdoor-Aktionen meistens um Innere Prozesse geht, die
auf der Identitätsebene stattfinden.
Das langsame, aber stetige Sinieren und Erleben in der Freien Natur und der Umstand, in gewisser Weise
das Alltagsleben "loszulassen" hat ein
gewaltiges Potenzial, nachhaltige Entwicklungen und Veränderungen (z.B. Selbstfindung) für das weitere
Leben zu bewirken. Eine Horde Wildschweine
auf dem abendlichen Waldweg muten dagegen fast langweilig an (wenn man darauf vorbereitet ist, mit der
gegebenen Situation zweckmäßig und nicht
angstgesteuert umzugehen, was mir damals glücklicherweise gelang). In der Regel ist der Deutsche Winterwald
ziemlich friedlich. In der schnelllebigen
und technologieorientierten Welt von heute ist ein Ausgleich mit ruhigen und meditativen, aber auch
fokussierten, konzentrierten und zielorientierten
Anteilen erforderlich.
Tourbezug Bonn-Berlin: Selbstfindung, Ausgleich / Gegengewicht /Gegenpol / Kompensation
Viertens,
"Geocoaching" in Raum und Zeit bedeutet zielführende Navigation und das Erreichen von Koordinaten,
sprich das Finden von Zielen und Orten
im harmonischen Einklang mit dem Inneren Dialog, dem Intuitiven Gefühl und der Inneren Uhr. Das der
Weg ein großer Teil des Zieles ist, spürt man bei
Outdoor-Aktivitäten meistens erst, wenn man längere Zeit das Alltagsleben und die eingespielten Gewohnheiten
verlässt und genug Zeit bleibt, sich auf
die neue Umgebung (Natur) einzustellen. Wenn man unterwegs ist, sollte man sich (auch als Teilnehmer
in der Gruppe) genug Zeit nehmen, zu
schweigen, nachzudenken, nachzufühlen - um dann - wieder nach vorne gerichtet - Visionen und Pläne für
die Zukunft zu entwickeln. Es geht auch um
das Verankern von erfolgreichen Strategien z.B. wie man die während der Outdoor-Tour gemachten Erfahrungen
(Navigation) und erreichten Ziele
(=Erfolg!) als "Mentale Prägung" für das "berufliche" und "private" Alltagsleben
nutzen kann.
Tourbezug Bonn-Berlin: Schweigen & Stille annehmen, Verankerung von erfolgreichen Strategien
Fünftens:
Ich habe mich bewusst dazu entschieden. Warum steht in meinem Lebenslauf bislang nur, wann und in welchem
IT-Projekt ich für welches
Unternehmen gearbeitet habe? Der Eindruck, der so vermittelt wird, ist einseitig und zeigt nicht alle
Aspekte meiner Persönlichkeit. Warum sollte ich
ein "Projekt" verschweigen, welches für mich sowohl vom kreativ-konzeptionellen Ansatz wie
auch von der Durchführung in Punkto Zielentscheidung,
Navigation, Lebenserfahrung, Selbsterfahrung und Zielerreichung her eines der erfolgreichsten Projekte
überhaupt war. Ich lege allerdings nach wie vor
Wert auf einen konstruktiven und tiefergehenden Dialogansatz. Während einundzwanzig Tagen Wanderung
habe ich damals glücklich und zufrieden
geschwiegen, als Small Talk Abenteurer stehe ich nach wie vor nicht zur Verfügung.
Tourbezug Bonn-Berlin: Authentizität, Gesamtbild Eigene Identität, Anspruch
von vorne boris.geocoaching.com - Idee/Konzept, CI/CD, Text/Wording, Art/Grafiken und Web Design/URL: Boris Dyckhoff (c) Copyright 2004. Letzte Aktualisierung: 29.9.2004
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